Deutschlands lustigste Reporterin

Um 19.55 Uhr kam die „Flut“ in den Heimathafen. Es waren nur noch fünf Minuten bis zum Beginn des großen Realsatire Reporter Slam Jahresfinale. Doch vor dem Eingang standen noch mehr als 100 Leute Schlange und hofften auf Einlass. Die Nachfrage sprengte alle Erwartungen. Sämtliche Sitzplätze waren längst belegt. Aber die Veranstalter hatten extra noch Freiraum für Stehplätze geschaffen. Und dann entschieden sie sich: Wir öffnen die Tore! Alle rein – bezahlen können sie ja immer noch in der Pause. Mehr als 500 Gäste in einem prall gefüllten Saal: Vor dieser beeindruckenden Kulisse konnte Moderator Jochen Markett dann pünktlich und glücklich den Slam eröffnen.

Was genau zu dem riesigen Andrang geführt hatte, lässt sich pauschal natürlich nicht sagen. Aber die Aussicht, auf der Bühne die lustigsten Journalisten Deutschlands im Wettstreit miteinander zu erleben, dürfte als Motiv durchaus eine wichtige Rolle gespielt haben. Sechs traten gegeneinander an – jede*r von ihnen hatte im Vorjahr einen der Reporter Slams gewonnen, die das kleine Portal „Realsatire“ inzwischen in ganz Deutschland veranstaltet: Katja Garmasch (WDR), Maris Hubschmid (Tagesspiegel), Felix Dachsel (Die ZEIT), Ronja von Wurmb-Seibel (freie Journalistin), Sebastian Erb (taz) und Anorte Linsmayer (MDR).

Sie alle sorgten für zweieinhalb Stunden feinste Unterhaltung – künstlerisch bestens ergänzt vom Neuköllner Lokalmatadoren Bommi an der Ukulele. Sie nahmen das Publikum mit in den verlassenen Palast von Janukowytsch, erklärten die Tücken von „krankhaftem Lügen“, zeigten Deutschlands lustigste Tinder-Profilbilder und die Gefahren des Online-Dating und reisten zur Vermessung des kürzesten Flusses der Welt nach Abchasien.

Die Zuschauer mussten am Ende per Applaus-Laustärke über den Sieg entscheiden. Es wurde denkbar knapp. Erst im Stechen setzte sich dann eine Reporterin durch, deren Thema überraschte: ein eskaliertes Interview in Afghanistan, mit einem schwerreichen Mann, der am Ende eine Waffe zückte und eine Entführung fürchtete. Das klingt nicht unmittelbar nach „Realsatire“. Aber sie trug es ohne jegliche Präsentation, stattdessen als inszenierte Nacherzählung so unterhaltsam vor, dass sie sich nun „Deutschlands lustigste Reporterin“ nennen darf: Ronja von Wurmb-Seibel, freie Journalistin aus Hamburg.

Da aber alle Reporter mehr als 100 Dezibel lauten Applaus erhielten, hätte jeder den großen Pokal verdient gehabt. Die Fotos von Andi Weiland in unserer Galerie unten zeigen, wieviel Spaß das Publikum hatte. Wer davon noch etwas nachempfinden will, schaut sich am besten diesen Mitschnitt der Live-Übertragung von ALEX Berlin TV an. Der liefert den Beweis: Journalismus auf der Bühne ist echt.lustig.

 

 

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