Da legst di nieder

Mir fällt gerade auf, dass ich etwas unhöflich zu Ihnen war. Oder Sie womöglich überfordert haben könnte. Mit der ersten Kolumne aus und über diesen wunderbaren, weißblauen Freistaat. Weil ich Sie sofort reingeworfen habe in einen alltäglichen bayerischen Irrsinn mit Namen TSV 1860 München, ohne Sie mit den Grundregularien Bayerns vertraut zu machen. Ohne diese Regularien versteht man aber weder den Freistaat im Allgemeinen noch den TSV 1860 im Besonderen.

Vielleicht wundern Sie sich ja auch manchmal darüber, dass wir hier in Bayern eine Partei schon so lange an der Regierung haben, wie es sonst nur in Nordkorea der Fall ist. Und vielleicht haben Sie auch registriert, dass wir inzwischen Wahlplakate mit dem Slogan „Bayern zuerst!“ hier hängen haben und der Herr Seehofer wohlwollend darauf schaut, wie der Donald in Amerika versucht, ihm nachzueifern. Der „Münchner Merkur“ stellt in dem Zusammenhang die Frage, ob die CSU den Donald beklaut habe, zumindest mit dem Slogan. Der echte Bayer lacht darüber und weiß, dass es bestenfalls umgekehrt war.

Das alles würde anderswo wahrscheinlich zu Aufschreien und anderen Aktionen führen. Wir Bayern als solche nehmen das allerdings eher gelassen. Weil wir die einzigen sind, die mentalitätsmäßig beides in einem können: der Obrigkeit treu ergeben und gleichzeitig Opposition sein. Da braucht’s keine SPD oder sowas; wir brauchen ja nicht mal eine Jammerlappen-AfD.

Der Bayer als solcher ist also nicht nur der Erfinder von Bergen, Seen und Fußball, sondern auch der Gemütsruhe. Deswegen bringt uns kein Seehofer aus der Ruhe und auch kein Trump und ein arabischer Investor beim Fußballspielen schon gleich gar nicht. Anderswo würde man sich aufregen, wenn sich der Verkehr mal wieder unglaublich staut und nix vorwärts geht. In Bayern muss auch gelegentlich die Polizei mal eingreifen. Aber nicht so, wie Sie sich das jetzt denken und vielleicht aus Berlin oder dem Ruhrpott so gewohnt sind. Bei uns schaut das eher so aus:

Das ist eine Form der Gemütsruhe, mit der höchstens noch der Stoizismus mithalten kann. Stau? Dann halt erstmal ein Schläfchen, die Polizei sagt schon Bescheid, wenn es weitergeht.

Der Tweet stammt übrigens, wie Sie sehen, von der Polizei in Niederbayern. Das ist eine Region, von der die „Süddeutsche Zeitung“ unlängst so schön schrieb, dass sie, wenn Bayern eine Schallplatte wäre, die B-Seite sei. Gelegentlich hält man Niederbayern für intellektuell etwas langsam und für noch gemütsruhiger als den Rest des Freistaats. Aber hey, zumindest polyglott sind wir in (Nieder-)Bayern:

Sie sehen also, manches läuft hier anders als anderswo. Weswegen ich Ihnen nach dieser kleinen Grundsatzerläuterung jetzt doch nochmal was zum TSV 1860 München erzählen kann. Der Verein schwingt sich nämlich aktuell zum großen Ideal aller Kommerzkritiker des Fußballs auf. Schließlich sind die Löwen der einzige Verein der Welt, der aktuell überlegt, wie er einen Investor am besten wieder los wird. 

Das ist die bayerischste aller Haltungen, wenn man so will: Während alle Welt irgendwelche Araber, Chinesen und Seppblatters umgarnt, konzentrieren sie sich in München darauf, wie man einen Milliardär davon abhält, sein Geld in den Club zu stecken. Fast haben sie es übrigens schon geschafft, der Scheich verzweifelt allmählich an seinem Investment. Und falls das nicht klappt, haben wir in der nächsten Saison ebenfalls eine realsatirische Konstruktion: der erste Viertligist weltweit, der gegen seien Willen einen arabischen Milliardär als Investor hat.

Wir haben übrigens die ganze Zeit überlegt, woran uns dieses Schauspiel erinnert. Und dann ist es uns plötzlich wie Scheine aus der Geldbörse gefallen:

 

Einen Kommentar hinzufügen