Großes Theater

Hamburg entwickelt sich zur Perle des Reporter Slam. Innerhalb von nur drei Tagen füllte das journalistische Bühnenformat gleich zwei große Säle an der Alster: zunächst das NDR-Konferenzzentrum mit 150 Besuchern, dann das bekannte Kabaretttheater „Polittbüro“ am Hamburger Steindamm. Dort stieg am Dienstagabend, 21.11., der bislang größte Slam, seit es die Veranstaltungsreihe gibt: Genau 200 Zuschauer kamen – und jubelten Ronja von Wurmb-Seibel zum Sieg. Die freie Autorin hatte sich für den Slam ein neues Genre ausgedacht: das Reportagetheater. In Ermangelung von Fotos und Videos zu ihrer Recherche in Afghanistans Hauptstadt Kabul hatte sie beschlossen, das völlig aus dem Ruder gelaufene Treffen mit einem wichtigen Informanten einfach dramaturgisch nachzuspielen – unterstützt von drei Kollegen auf der Bühne. Die ungewöhnliche Idee wurde belohnt, mit dem Siegerpokal und einer Realsatire-Brille. Aber auch die anderen Slammer konnten begeistern: Jenny Kallenbrunnen erzählte von ihrer Fahrt mit einem Minenjagdboot, als einzige Frau, zwischen 39 aktiven und schwelgenden Alt-Soldaten. Jakob Vicari stellte die größten Herausforderungen des von ihm erfundenen „Kuh-Journalismus“ vor. Florian Zinnecker sprach bewegend darüber, warum er verlorene Einkaufszettel sammelt und bei Instagram veröffentlicht. Und Felix Dachsel zeigte ein „Best of“ der 10.000 Tinder-Profile, die er für Die ZEIT analysiert hat, und erstelle daraus ein Profil zur Lage der Singlenation Deutschland. Im Polittbüro reichte es damit zwar nicht ganz zum Sieg.

Aber dafür hatte Dachsel am Sonntag zuvor den internen Reporter Slam beim NDR gewonnen, vor 150 Volontär*innen von ARD, ZDF und Deutscher Welle. Die hatten sich dort zum jährlichen VoloLab versammelt – diesmal unter dem Motto „Besser streiten“. Passend dazu war der Siegerpokal dort eine Goldene Friedenstaube. Auf die Plätze verwies Dachsel zum einen den NDR-Volontär Tobias Zwior – er präsentierte eine Recherche zu skurrilen Begegnungen von Nachwuchspolitikern ganz unterschiedlicher Parteien vor der Bundestagswahl. Zum anderen auch die Henri-Nannen-Schülerin Lisa McMinn, die das begeisterte Publikum mitnahm nach Bad Eilsen, ein niedersächsischer Kurort, der sich seit Jahrzehnten zu einer Kolonie von erholungsbedürftigen Berlinern entwickelt.

Für 2017 waren dies die letzten beiden Slams. Als nächstes steht ein Highlight bevor: Am 13. Januar 2018 wird im Heimathafen in Berlin-Neukölln der „Slam der Slampions“ steigen, also das Jahresfinale der bisherigen Sieger. Weitere Infos folgen in Kürze auf dieser Website und den Social-Media-Kanälen von Realsatire. Bis dahin können Sie sich an Andi Weilands Fotos vom Polittbüro-Slam erfreuen.

 

 

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